1647 - 1717   GRADISCA

Hauptstadt einer gefürsteten Grafschaft

Gradisca, von Festung zur Hauptstadt einer Grafschaft unter den Eggenbergs (1647-1717)

 

Am Ende des Jahres 1615 brach zwischen der Republik Venedig und Erzherzog Ferdinand von Österreich der “Gradiscaner Krieg” aus. Dieser Krieg wird in der Geschichte mit diesem Namen angeführt, weil er sich zum größten Teil bei der Festung von Gradisca abspielte.

Venedig rechnete nämlich damit, die Stadt, die von der Venezianischen Republik selbst 1479 zur Verteidigung gegen die türkischen Einfällen gegründet wurde, und von welcher 1511 die Habsburger Besitz ergriffen, wieder zu erobern.

Offiziell brach der Konflikt jedoch aufgrund der Überfälle seitens der Piraten Uskoken auf die venezianischen Schiffen entlang der Dalmatinischen Küste aus. Venedig war der Überzeugung, dass sich hinter den Piraten die Absicht vom Erzherzog von Österreich verbarg, den venezianischen Handel an der Adria zu schädigen. Der venezianische Senat beschloss den Krieg zu erklären, in der Überzeugung ihn leicht zu gewinnen, sowohl dank der Überlegenheit im Meer, als auch dank des Besitzes der Festung von Palmanova, die 1593 gegründet wurde. Anfänglich lief der Feldzug für Venedig in der Tat erfolgversprechend, innerhalb kurzer Zeit besetzten sie das Land um Gradisca, und ihnen gelang es die Festung zu belagern. Der Widerstand der österreichischen Anhänger ging trotz schweren Beschusses sehr lange weiter. Nach Wechselfällen gab die Republik Venedig auf, und die Belagerung wurde 1617 schließlich aufgehoben.

 

Aus diesen Ereignissen erhielt Gradisca großen Ruhm aber auch riesige Schäden. Die Restaurierungsarbeiten erwiesen sich von Anfang an enorm und nicht unmittelbar.

Das Habsburgische Reich war im noch belastenden Dreißigjährigen Krieg verwickelt (1618-1648). Die Republik Venedig versuchte die Gelegenheit zu nutzen. Sie bot dem Haus Österreich immer wieder große Geldsummen an, um die Festung, die sie mit den Waffen nicht erobern konnte, zu erwerben.

 

Der Kaiser, trotz der Schwierigkeiten, in denen er sich befand, ließ sich jedoch von den venezianischen Angeboten nicht locken. Er beschloss daher, die Hauptmannschaft Gradisca zur “Gefürsteten Grafschaft unter dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation” zu verwandeln, in dem er im Jahre 1647 für eine Summe von 315.000 Gulden einem seiner Gläubiger, dem aus Graz gebürtigen Fürsten Hans Anton von Eggenberg, übertrug. Der Kauf erfolgte unter der Bedingung, dass das Eigentum der Grafschaft im Falle vom Aussterben der Familie an das Haus Österreich zurück fiel.

 

Die gesamte Last der Kriegsschäden überging auf die neue herrschende Familie, die übrigens über riesige Geldmittel verfügte und leicht für die Kosten aufkommen konnte.

Dank der Erwerbung von Gradisca, erlangte der Fürst von Eggenberg den Rang eines Reichsfürsten mit Sitz und Stimme auf der Fürstenbank des Reiches. Das stellte den größten Vorteil dar.

Während der 70 Jahren der Herrschaft über Gradisca, waren die Eggenbergs dort überhaupt nie ansässig. Sie kamen nur auf sehr kurze Besuche. Mit allen Regierungsaufträgen betrauten die Eggenbergs ihren Bevollmächtigten.

Der kleine Staat bezog ein weites Gebiet ein und umfasste 52 Dörfer. Er hatte auch Münzrecht. Dadurch wurde es ihm zugelassen, den Taler von Gradisca vom 1653 bis 1658 zu prägen.

 

Die neue staatliche Organisation sperrte das Gebiet Gradiscas wirtschaftlich ein. Vor allem Görz gegenüber, mit dem Gradisca einen Zollkrieg begann.

Gradisca wurde aber vom 1660 bis 1695 von einem auf die Angelegenheiten der Stadt sehr aufmerksamen Hauptmann geführt, dem Grafen Francesco Ulderico della Torre, der das erste öffentliche Getreidelager, die ersten Schulen und das erste Leihhaus gründete.

Er führte auch die Seidenindustrie - vom Abspulen der Kokons bis zum Weben und Färben der Seide- ein. Außerdem leitete er einige handwerkliche Tätigkeiten aus Venedig ein.  Er ließ eine öffentliche Loggia für die privaten Versammlungen der Staaten bauen und er setzte sich für ein prächtigeres Erscheinungsbild der befestigten Stadt ein.

Gradisca war 70 Jahre lang Hauptstadt einer Fürsterlichen Grafschaft, welche gegründet wurde, um die Fürsten Eggenberg zu entschädigen. Während dieser Zeit erlebte Gradisca den Höhepunkt seines Glanzes.

Ein dauerhafter Frieden und eine kluge aufgeklärte Regierung gewährleisteten eine geordnete wirtschaftliche und soziale Stadtentwicklung. Gradisca übernahm somit die Kennzeichen einer Wohnsiedlung im Gegensatz zu denjenigen einer Militärhochburg.

Das Entstehen einer lokalen Adelsvereinigung -in Wettbewerb mit Görz- bereicherte das soziale Leben und trug dazu bei, das Aussehen der Stadt dank des Erscheinens von schlichten aber zugleich eleganten historischen Wohnsitzen entlang der Hauptstraßen zu verbessern.

Die Unabhängigkeit der gefürsteten Grafschaft endete jedoch 1717 mit dem Aussterben der männlichen Linie der Eggenbergs. Über weitere 30 Jahre erhielt die Stadt eine eigene Verwaltung, aber im Juni 1754 wurde sie mit Görz zur gefürsteten Grafschaft Görz und Gradisca vereinigt.

 

Ein Spaziergang in der Altstadt

 

Es braucht wenig Zeit, um sich eine Vorstellung von der einstigen Größe Gradiscas zu machen. Wenn man durch das Netz der Straßen geht, das im 15. Jh. von den Venezianern entworfen wurde - nicht zufällig heißen noch die engen Straßen “calli” (Gassen), welche die vier Hauptachsen verbinden - beeindruckt die Schönheit einiger imposanter Paläste.

Fast alle wurden zwischen des 16. und 17. Jahrhunderts gebaut, als Gradisca unter der guten Regierung der Fürsten von Eggenberg eine Zeit von höchsten Glanz erlebte.

Die Via Ciotti bewahrt die größte Zahl an Adelspalästen, unter anderem stechen Palazzo de Fin Patuna, Palazzo Strassoldo und Palazzo Torriani hervor, heutzutage Sitz des Rathauses und gekennzeichnet von einer beeindruckenden hinteren Fassade.

Auch die Via Bergamas bewahrt das strenge Aussehen des 16. Jahrhunderts im Palazzo de Comelli, aber sie stellt auch die weitere Entwicklung des Spätbarocks des Doms dar.

Es lohnt sich, Via Dante zu erreichen -wo viele Portale und andere architektonischen Besonderheiten in heutzutage sehr veränderten Gebäuden noch weiterleben-, um einen der interessantesten Palästen des 17. Jh.  zu bewundern: Il Monte di Pietà (das Leihaus), welches vom klugen Hauptmann Francesco Ulderico della Torre beauftragt wurde, um die Armen von den Wucherern zu beschützen. Die große Statue von ihm beherrscht die Prunktreppe des Palastes.

In der Via Battisti liegt die kleine aber interessante Loggia der Händler, ein weiteres Gebäude, welches della Torre zu einem öffentlichem Zweck bauen ließ. In der Loggia ist eine wichtige Sammlung von Gedenktafeln beherbergt, die der Gründung der Festung gedenken. Gleich gegenüber befindet sich das älteste Wohnhaus Gradiscas, der Palazzo dei Provveditori Veneti (Palast der venezianischen Verwalter), heute Enoteca (Regionale Sammlung edler Weine). Auf dieser Straße befinden sich einige kleine Adelswohnsitze, hinter denen die venezianischen Wehrmauer versteck bleibt.

 

Im Jahr 2017 werden 300 Jahre seit dem Ende der Gefürsteten Grafschaft Gradisca vergangen sein. Ein autonomer Staat, der 1647 gegründet wurde und bis 1717 als der letzte männliche Erbe starb der Familie Eggenberg gehörte.

Anlässlich dieses wichtigen Jubiläums kann man die Gelegenheit nutzen, die Geschichte der bedeutendster Zeit der Stadt hinsichtlich wirtschaftlicher, sozialer und baulicher Entwicklung wieder zu erleben.

Zu diesem Zweck wurde ein Stadtkomitee gegründet, dessen Ziel ist es, die Institutionen anzuspornen und mit den privaten Bürgern hinsichtlich der Promoevents zusammenzuarbeiten, welche nach und nach angeboten werden.

 

Komitee Eggenberg

Text ubersetz von Sara Valdemarin und Franziska Geelhaar

 

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Mit der Unterstützung der Stadt Gradisca d’Isonzo

Questo sito è stato creato nell'ambito delle attività svolte tra il 2015 e il 2018 dal Comitato Eggenberg di Gradisca d'Isonzo per ricordare i 300 anni dalla fine della Contea principesca di Gradisca (1717) e costituisce la testimonianza di quelle attività.  La pubblicazione non ha cessato di esistere dopo la celebrazione dell'anniversario e mantiene gli obiettivi già perseguiti dal Comitato Eggenberg: diffondere la conoscenza della città e della sua storia nel periodo in cui è stata capitale di una contea principesca (1647-1717) sotto il casato stiriano degli Eggenberg. E' un'epoca ricca di fatti e personaggi significativi non solo per il Friuli orientale ma per tutte le potenze europee che si sono incontrate e scontrate (anche prima e dopo)  in questa terra di confine.  Responsabile del sito è Maria Masau Dan.